Berufsbild Berufsbetreuer

 

1. Was ist ein Berufsbetreuer?

2. Wann wird ein Berufsbetreuer eingesetzt?  

3. Welche Qualifikationen benötigen Berufsbetreuer in der Ausübung ihrer Tätigkeit?

4. Aufgaben eines Berufsbetreuers

5. Betreuungsrecht in der Praxis

6. Der Bundesverband freier Berufsbetreuer e.V.

 

 

Als hauptamtlicher Berufsbetreuer, bzw. als rechtlicher Betreuer ist im Jahr 2017 eine relativ kleine Personengruppe von ca. 13.000 Menschen tätig.

Was ist ein Berufsbetreuer? Wann wird er eingesetzt? Welche Qualifikationen haben Berufsbetreuer? Welche Aufgaben hat ein hauptamtlicher Berufsbetreuer? Wie sind Berufsbetreuer vernetzt und organisiert?

 


1. Was ist ein Berufsbetreuer?

Das Tätigkeitsfeld Berufsbetreuer ist in der Literatur folgendermaßen definiert: Ein Berufsbetreuer ist jemand, der in der Bundesrepublik Deutschland rechtliche Betreuungen (§ 1896 ff. BGB) im Rahmen einer selbständigen Tätigkeit ausübt. Es handelt sich dabei nicht um einen Ausbildungsberuf im Sinne des Berufsbildungsgesetzes oder eines Studiums, sondern eine Tätigkeit, die sich in den letzten Jahrzehnten (insbesondere seit der Ablösung der Vormundschaft für Erwachsene durch die Betreuung 1992) entwickelt hat. Während vor 1992 hauptsächliche Rechtsanwälte beruflich in diesem Metier tätig waren (als sogenannte Berufsvormünder), haben sich in den Jahren seit 1992 auch viele Menschen aus anderen Berufsgruppen (schwerpunktmäßig Sozialarbeiter/-pädagogen, Alten- und Krankenpfleger, auch Verwaltungsfachkräfte und Kaufleute) in diesem Beruf betätigt. Der Begriff "Betreuung" ist etwas irreführend. Gesetzlicher Vertreter wäre besser. Denn der gesetzliche Betreuer hat den Betreuten nur zu vertreten, also Entscheidungen zu treffen, die der Betreute nicht mehr selbst treffen kann, wobei diese im Grundsatz so getroffen werden müssen, wie es der geschäftsfähige Betreute selbst entschieden hätte. Eine soziale- oder gar medizinische Betreuung hat der Betreuer nicht zu leisten, sondern sich nur darum zu kümmern, dass diese (entsprechend des Willen des Betreuten) organisiert wird.

Im weiteren Wortsinne werden als Berufsbetreuer nicht nur selbständige Personen bezeichnet, sondern auch Vereinsbetreuer und Behördenbetreuer. Diese führen Betreuungen ebenfalls als Teil ihrer Berufstätigkeit, sind aber Arbeitnehmer bzw. bei den Betreuungsbehörden bisweilen auch Beamte. Um als Vereinsbetreuer bestellt werden zu können, bedarf der Betreuungsverein einer behördlichen Anerkennung (§ 1908fBGB)1.

 

2. Wann wird ein Berufsbetreuer eingesetzt?
Berufsbetreuer werden vom Betreuungsgericht bestellt, insbesondere dann, wenn durch die erforderlichen Qualifikationen für die Begleitung eines Bedürftigen eine ehrenamtliche Betreuung nicht angezeigt ist 2.

Eine ehrenamtliche Begleitung ist insbesondere dann nicht angezeigt, wenn die familiäre Situation keine eindeutige Trennung von den Interessen des Betreuten und den Interessen des betreuenden Familienmitgliedes ermöglicht und Interessenüberschneidungen stattfinden, oder wenn die psycho-soziale Befindlichkeit des Betreuten die Begleitung einer Fachkraft erfordert.

 

3. Welche Qualifikationen benötigen Berufsbetreuer in der Ausübung ihrer Tätigkeit
Ein Berufsbetreuer ist grundsätzlich in der Lage, sich selbst in der Betreuung und Begleitung in Bezug auf das eigene Verhalten zu reflektieren, Möglichkeiten und Grenzen mit Sicht auf das eigene Handeln zu erkennen und methodisch zu arbeiten.

Zu den wünschenswerten Kenntnissen gehören solche auf dem Gebiete des Rechtes (Betreuungsrecht, Zivilrecht, Sozialrecht) insbesondere medizinische und psychologische Kenntnisse, darüber hinaus Kenntnisse der Buchführung sowie Erfahrung im Umgang mit Behörden und die Fähigkeit, juristisch und medizinisch geprägten Schriftverkehr zu verstehen. Die Berufsverbände haben sich auf ein gemeinsames Berufsbild geeinigt. Rund 80 % aller Berufsbetreuer verfügen nach Umfragen der Berufsverbände über eine akademische Ausbildung.

Der Betreuer hat die Aufgabe (anders als Richter und Gutachter, die lediglich einen Zustand und dessen Folgen feststellen), gemäß dem gerichtlichen Auftrag, der in einer Betreuung mit einem festgelegten Aufgabenkreis besteht, zu handeln. Er muss sowohl die juristische als auch die psychosoziale Ebene durchschauen, um Folgerungen für sein Handeln zu ziehen, welches sich sowohl auf der Ebene der Tatbestandsmerkmale als auch der Rechtsfolge abspielt.

Der Betreuer benötigt hierfür technische Fertigkeiten und inhaltliche Kenntnisse:

Zu den Fertigkeiten zählen u.a.:

§   Verstehen von Gerichtsbeschlüssen und Sachverständigengutachten (medizinische und juristische Terminologie);

§   Führung von diagnostischen Gesprächen (Anamnese, Exploration);

§   Verhaltensbeobachtung;

§   Fähigkeit zum Abfassen von Schriftsätzen z.B. an das Gericht;

§   Kennen von sozialen Einrichtungen und Diensten im Umfeld.

 

 

 

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Zu den inhaltlichen Kenntnissen gehören u.a.:

§   psychologische Kenntnisse aus der Persönlichkeitspsychologie, der Entwicklungspsychologie, der pädagogischen, klinischen und der Sozialpsychologie;

§   soziologische Kenntnisse aus den Bereichen allgemeine Soziologie, Familien-, Alters- und Randgruppensoziologie sowie Soziologie des abweichenden Verhaltens;

§   sozialmedizinische Kenntnisse aus der allgemeinen Sozialmedizin (Epidemologie, Krankheit, Behinderung, Prävention usw.) und der speziellen Sozialmedizin (Körper-, Sinnes-, Lern- und Geistige Behinderung, Sucht, psychische Krankheiten);

§   pädagogische Kenntnisse aus der allgemeinen Pädagogik (z.B. Lernen, Sozialisation) und der speziellen Pädagogik (z.B. Erwachsenenbildung, Heil- und Sonderpädagogische Aspekte)

§   rechtliche Kenntnisse aus dem Bereich des Zivilrechtes (allgemeiner Teil des BGB, allgemeines Schuldrecht, Kaufvertrags- Arbeits- und Mietrecht, Familienrecht, Erbrecht), des Zivil- und Verwaltungsprozeßrechtes, des Sozialrechtes und des Gesundheitsrechtes;

§   Wirtschaftskenntnisse bezüglich Vermögensverwaltung, Grundkenntnisse in der Buchführung, steuerrechtliche Kenntnisse.

Die vorstehenden Ausführungen stellen einen wünschenswerten, jedoch nicht nach dem Gesetz vorausgesetzten Wissenstand dar. Unabhängig von der beruflichen Aus- und Fortbildung muss der Betreuer genügend Berufs- und Lebenserfahrung, aber auch eine soziale Einstellung haben, die es für ihn selbstverständlich sein läßt, sich kranker und behinderter Menschen auch im persönlichen Kontakt anzunehmen.

Unter Betreuung stehende Menschen sind oftmals aufgrund ihrer Defizite nicht in der Lage, sich gegen Übergriffe verschiedener Art zu wehren. Sei dies durch unzureichende Versorgungs- und Pflegedienstleistungen; sei es durch finanzielle Übervorteilung durch Dritte, darunter auch Familienangehörige. Gerade an die Moralität des Betreuers, insbesondere des Berufsbetreuers sind daher hohe Anforderungen zu stellen. Schließlich ist nicht nur oft das gesamte über ein Leben angesammelte Vermögen eines alten Menschen in der persönlichen Verfügungsgewalt des Betreuers, oft muss ein Betreuer auch unbeobachtet von neutralen Dritten große Vermögenswerte sicherstellen und für Betreute sichern; letztlich ist es auch der Betreuer, der für Gesundheit und Aufrechterhalten einer gesundheitlichen Versorgung zu sorgen hat, anderenfalls es für Betreute oftmals zu vorzeitigem Ableben und großen körperlichen Schmerzen kommen kann 3.

 

4. Aufgaben eines Berufsbetreuers

Betreuerpflichten: Die Pflichten eines Berufsbetreuers sind grundsätzlich die gleichen wie bei anderen Betreuern. Sie ergeben sich aus § 1901 BGB i.V.m. den gerichtlich übertragenen Aufgabenkreisen.

Das Wohl des Betreuten ist nach § 1901 und § 1906 BGB der Maßstab des Handelns des Betreuers. Um dem Selbstbestimmungsrecht zu genügen, ist das Wohl des Betreuten aber nach § 1901 Absatz 2 Satz 2 und Absatz 3 BGB des Betreuungsrechts nicht nach objektiven Maßstäben zu bestimmen, sondern vorrangig subjektiv durch den Willen des Betreuten (BGH Beschluss XII ZB 2/03). Im Grundsatz muss jede Entscheidung mit dem Betreuten besprochen und im Sinn des freien Willen des Betreuten getroffen werden. Das gebietet das in Artikel 2 Absatz 1 des Grundgesetz (GG) verankerte Grundrecht auf Selbstbestimmung. Belange Dritter sind zweitrangig.

Bei zahlreichen Rechtshandlungen hat ein Betreuer vormundschaftsgerichtliche Genehmigungen einzuholen und ist gegenüber dem Vormundschaftsgericht rechenschaftspflichtig (§§ 1837 ff. BGB).

Selbstständige Berufsbetreuer sind im Gegensatz zu Vereins- und Behördenbetreuern und nahen Angehörigen KEINE befreiten Betreuer (siehe unter § 1908i Abs. 2 BGB). Anders als diese unterliegen selbstständige Berufsbetreuer der vollen Kontrolle des Vormundschaftsgerichtes, auch bei der jährlichen Rechnungslegung(§ 1840 BGB) und der Genehmigung von Geldanlagen beim Mündelgeld (§§ 1810 ff. BGB)4

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5. Betreuungsrecht in der Praxis

Das Bundesministerium der Justiz und Verbraucherschutz hat eine sehr informative Broschüre zum Betreuungsrecht herausgegeben5.

Diese Broschüre zum Betreuungsrecht bietet zusätzlich ausführliche Informationen zur Vorsorgevollmacht.

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6. Der Bundesverband freier Berufsbetreuer e.V.7

Der Bundesverband freier Berufsbetreuer e.V. bietet Erstinformationen und Fortbildungsveranstaltungen für hauptamtliche Berufsbetreuer.

Er vernetzt die Mitglieder und ist Ansprechpartner für alle Belange in der Berufspraxis.

 

 

Logo des BVfB

 

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8. Tag der freien Berufsbetreuer am 17. & 18. November 2017 zum Thema:
"
Qualtiät in der rechtlichen Betreuung aus unterschiedlichen Sichtweisen"

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Quellangabe:       

                                    

1 Bundesanzeiger-verlag.de vom 20.09.2017.

s.o.

3 s.o.

4 s.o.

5 Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (Hrsg.), Referat Öffentlichkeitsarbeit; Digitale Kommunikation, 11015
    Berlin,
www.bmjv.de, 11/2016.

6 s.o.

7 www.bvfb.de, vom 13.10.2017.